Grußwort des Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse
zum „2. Filmfestival für Menschenrechte Dresden“
vom 22. bis 28. Februar 2007

In den nächsten Tagen werden Sie, liebe Besucherinnen und Besucher des Filmfestivals, Dokumentarfilme sehen, die das Dresdner Filmtheater Metropolis zum Schauplatz von Menschenrechtsbelangen aus aller Welt werden lassen. Die Filme spannen den Bogen von weltweiter Menschenrechtsverletzung bis hin zu Gewalt und Diskriminierung vor der eigenen Haustür und zeigen, wie elementare Rechte verletzt und die Würde von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern missachtet werden.
Frauen und Mädchen sind häufig Opfer von Armut und falschen Versprechungen. Das
zeigt der Film „Sex Slaves“, der über junge Frauen in der Prostitution berichtet
und davon, wie sie auf Umschlagplätzen wie in Istanbul regelrecht „gehandelt“
werden. Oder aber wir sehen Menschen, für die mit dem Bau einer Ölpipeline
Zwangsarbeit und Vertreibung Einzug in ihr Dorf hält. Im Film „Der Kick“, in dem
Gleichaltrige einen Jugendlichen misshandeln, für den die Tortur tödlich endet
oder im Film „Ich lass mich nicht verjagen“, in dem verdeutlicht wird, wie
farbige Deutsche im Alltag von Rechtsextremisten bedrängt werden, werden andere
Facetten der Missachtung von Menschen und ihrer Würde gezeigt, welche nicht
ungesehen bleiben dürfen.
Ein Mehr an Bewusstsein und Sensibilität für Fragen des Rechtsextremismus und der Zuwanderung, für Fragen von Krieg und Gewalt sowie für die Folgen einer globalisierten Wirtschaft soll geschaffen werden, wenn beim Festival Verschleppung, Folter, Mord und Diskriminierung in den Mittelpunkt filmischer Arbeit gestellt werden.
Wie auch schon im letzten Jahr gibt es beim Filmfestival nicht nur Filme zu sehen. Eine Reihe von Podiumsveranstaltungen, ein Theaterworkshop mit Jugendlichen, Veranstaltungen für Schulklassen und eine Videolounge mit Kurzfilmen machen das Festival zu einem interessanten Forum für Fragen über Humanität und Rechtsstaatlichkeit auf der Welt.
Dankenswerterweise gibt es viele, die, wenn es um Menschenrechte geht, hinsehen, sich interessieren und engagieren, meistens im Stillen, oft ohne groß Aufhebens davon zu machen. In diesem Sinne danke ich stellvertretend den Kooperations-partnern, Unterstützern und Helfern. Ich freue mich, dass das Festival in Dresden nun schon zum zweiten Mal stattfinden kann und wünsche Ihnen allen anregende und nachdenkliche Filmtage.