Ausländer raus! Schlingensiefs Container

Paul Poet / Österreich / 2002 / 90 min
Dienstag / 27.02.2007 / 22.15 Uhr
Ausländer raus! Schlingensiefs Container
„Big Brother“ als sozialpolitische Satire. Menschenverachtung als Unterhaltung: Ein Abschiebecontainer für Asylanten, öffentlich, interaktiv betretbar und beeinflussbar. Ein Scheinstück, das „das neue Europa“ aufwiegelte, das „schwarze EU-Schaf“ Österreich im Besonderen.

Im Rahmen der Wiener Festwochen 2000 ließ Christoph Schlingensief den Wohncontainer mit 12 Asylanten in Wiens beliebteste Touristenzone stellen. Webfreetv.com, der größte Internet-TV-Anbieter im deutschsprachigen Raum, featurte dieses in der weltweiten Kultur- und Politikgeschichte einmalige Projekt. In Form der damals vieldiskutierten medialen Perversion eines Überwachungs-Containers im Stile von "Big Brother" sollte die Weltöffentlichkeit mit der global verstärkt auftauchenden neuen Rechts-Lastigkeit konfrontiert werden.

Tausende Passanten erregten sich an der Oper vor Ort und wurden so zu Mitspielern. Annähernd eine Million beteiligte sich über das Internet. Die Folge: Schlagzeilen von der spanischen „El Pais“ bis zur türkischen „Hürriyet“. Hitzige politische Debatten. Eine Klageflut durch die im Stück angegriffene FPÖ und die „Kronen Zeitung“. Permanente Attacken durch rechte wie linke Gruppierungen von Computerhackern über versuchte Brandlegung bis zum wüsten Häusersturm durch eine Demonstration.

Der Dokumentarfilm verdeutlicht das Geschehen, macht die dramaturgische Klammer vom ersten bis zum letzten Tag des Containers nachvollziehbar. Zu Wort kommen dabei in rückschauenden Kommentaren Gestalter, Freunde und Feinde des Stücks: Schlingensief selbst, Dramaturg Matthias Lilienthal, Festwochen-Leiter Luc Bondy, die Einstürzenden Neubauten, die Gäste des Stücks (Daniel Cohn-Bendit, Gregor Gysi, Josef Bierbichler, Paulus Manker), Politiker wie Bezirksvorsteher Richard Schmitz (ÖVP) und Helene Partik-Pablé (FPÖ).
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